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Europas Grenzen sind dicht. Der reiche Kontinent hat sich abgeriegelt und erlaubt nur noch wenigen Flüchtlingen die Einreise. Die nordafrikanischen Staaten werden dafür bezahlt, dass sie niemanden durchlassen. Die Folge: Riesige Flüchtlingslager, in denen Hunderttausende von Menschen mehr vegetieren als leben – immer noch voll der Hoffnung, doch noch irgendwann Europa zu erreichen.

Soweit das Ausgangsszenario des Buches „Die Hungrigen und die Satten“ von Timur Vermes. Seine Heldin, eine naive (oder eher: tumbe) Moderatorin, will eins dieser Lager besuchen. Was als Doku beginnt, wird zuerst zu einer Castingshow und schließlich zum Auszug Hunderttausender gen Norden – immer begleitet von Kameras.

Wie auch in seinem Debüt Er ist wieder wieder da erschafft Timur Vermes eine Situation, die unserer sehr ähnlich ist und lässt sie sich im Laufe der Erzählung immer weiter zuspitzen. Die Erlebnisse der Beteiligten – Moderatorin, Guide, Programmverantwortlichen etc. – wechseln dabei vom Realistischen über das Tragische bis hin zum Absurden; teilweise fühlte ich mich beim Lesen wie in einem Kammerspiel.

Vermes hat mit „Die Hungrigen und die Satten“ ein aktuelles Thema aufgegriffen, dass die Tragik der momentanen Flüchtlingslage nicht nur anreißt, sondern auf bizarre Weise weiterführt. Man reflektiert beim Lesen nicht nur, wie man die Situation an sich findet, sondern wie man aus ihr rauskommt – und zwar so, dass möglichst jeder möglichst viel davon hat. Vermes hält uns einmal mehr einen Spiegel vor, in den man teilweise nur ungern blickt.

Foto: Bastei Lübbe

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