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Schnappatmung!

Das war meine erste Reaktion auf die Ankündigung, dass die Belgariad-Saga neu aufgelegt wird. Mitte der 90er, gegen Ende meiner Schulzeit, bin ich auf sie gestoßen und habe sie förmlich verschlungen. Die Saga ist eine Mischung aus traditioneller Fantasy und Coming-of-Age-Geschichte – vor allem aber besticht sie mit ihrem Humor und ihren fein gezeichneten Charakteren.

Kurz zum Inhalt: Garion wächst im friedlichen Sendarien auf einer Farm auf. Seine einzige Verwandte ist Tante Pol. Sein Leben nimmt allerdings eine plötzliche Wendung, als er sich mit ihr, dem Schmied Durnik und dem alten Geschichtenerzähler Wolf aufmachen muss, um etwas zu finden, was gestohlen worden ist. Was, das will ihm niemand sagen.Stück für Stück werden die weiteren Abenteurer eingeführt, die immer nur einen Teil zum Puzzle beitragen (können) – allen voran mein Lieblings-Charakter Silk, ein Händler/Prinz/Schmuggler/Kämpfer/Schlawiner, der für jede Situation die passende Vorgehensweise auf Lager hat.

Nun also ist die Belagariad neu aufgelegt worden. Laut Verlag wurde der Text etwas modernisiert und der heutigen Sprache angepasst. Beim Lesen selbst fällt das nicht auf. Die Änderungen sind minimal und stören den Lesefluss nicht. Nur beim direkten Vergleich bemerkt man sie:

Als die Welt noch jung war, lebten die sieben Götter in Harmonie, und die Völker der Menschen waren eins. (Neuauflage Blanvalet 2018)

Als die Welt noch neu war, lebten die sieben Götter in Harmonie, und die Rassen der Menschen waren wie ein Volk. (Auflage Bastei Lübbe 1998)

Die leichten Anpassungen sind so klein, dass sie nicht ins Gewicht fallen. An der zauberhaften Atmosphäre der Geschichte ändern Sie nichts.

Auch 25 Jahre nach meiner ersten Begegnung mit Garion, Pol und Belgarath hat die Geschichte nicht von ihrer Magie eingebüßt. Es ist, als käme man heim: Zurück auf Faldors Farm, zurück in Tante Pols Küche, in der man ihr duftendes Essen schon von weitem riechen kann, zurück in die Gasthäuser am Wegesrand, in denen sich neben den Helden auch allerhand Gesindel und Feinde tummeln. Ich liebeliebeliebe den Humor von David Eddings – die Charaktere frotzeln miteinander und liefern sich wundervolle Wortgefechte. Die Beziehungen sind teils tief verwurzelt, teils bauen sie sich erst auf – aber die Gruppe um Garion ist ein Zusammenschluss, der perfekt harmoniert. Dazu kommt die ausgeklügelte Geschichte, die langsam immer mehr Facetten zu Tage dringen lässt.

Womit ich mich schwer tue, ist der Untertitel des ersten Bandes. Dieser heißt „Die Gefährten.“ Momentdemal. Kennt man doch. Richtig: Auch das erste Herr-der-Ringe-Buch heißt so. Hier hat sich der Verlag nicht wirklich einen Gefallen getan, man denkt sofort: Da hat aber einer abgekupfert. Das finde ich schade. Nun haben sich die bisherigen Übersetzungen des Originaltitels „Pawn of Prophecy“ auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert („Die Prophezeiung des Bauern“ und „Kind der Prophezeiung“), aber ich hätte mir gewünscht, dass man doch etwas länger über den Titel gebrainstormt hätte. Dennoch: Dies ist der einzige Kritikpunkt, den ich habe. Ok – bis auf: Dass es noch bis September 2018 und März 2019 dauert, bis die nächsten beiden Bände rauskommen.

Besonders gut gefällt mir das Cover. Es wirkt deutlich „erwachsener“ als die Reihe aus dem Bastei-Lübbe-Verlag. Die Farben sind zurückhaltend und aus einem Farbspektrum. Meine 1998er-Version ist vom Lesen schon so vergilbt, dass ich mich freue, bald die neue neben ihr stehen zu haben. Und nein, die alte wird nicht weggeschmissen. Zu viele Erinnerungen sind mit ihr verbunden.

Die Belgariad-Saga ist eins der wenigen Bücher, die ich regelmäßig immer wieder gelesen hab – einfach, weil sie so ein wohliges Gefühl hinterlässt.Das Cover der Neuauflage. Hinten rechts: meine heißgeliebte, mittlerweile arg vergilbte 1998-er Auflage

Foto: privat

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