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Endlich – endlich bin ich mal wieder dazu gekommen, ein Buch zu lesen. Vor dem Hintergrund der Serie „The Handmaid’s Tale“, die ich noch auf meiner To-Guck-Liste habe, wollte ich zumindest vorher noch das Buch lesen. Immerhin ist es ein moderner Klassiker der Dystopien.

Was mich ja schon wieder *sehr* gefreut hat (Nicht!), ist die Erzählperspektive: Die Ich-Erzählerin. Mir ist bewusst, dass die Autorin Margaret Atwood sie gewählt hat, um dem Leser die Empfindungen der Hauptperson deutlich zu machen – aber ich mag diese Perspektive schlichtweg nicht.

Die Erzählerin Desfred, die eigentlich nur eine Gebärmaschine in einem christlich-fundamentalistischen Staat der nahen Zukunft ist, erzählt von der Welt, in der sie lebt – und in der sie als sogenannte „Magd“ keine Rechte besitzt.

Die Welt, in der sie lebt, wird beängstigend anschaulich geschildert, mit allen grotesken Ideen, die der fundamentalistische Staat hervorgebracht hat. Die Vorstellung, dort leben zu müssen, erzeugt Schrecken und Unglauben. Die Beschreibung des Status Quo zeigt eine totalitäre Gesellschaft, die so auf vermeintlich biblische Werte beharrt, dass sie vergessen hat, was es heißt, christlich zu sein.

„Der Report der Magd“ zeichnet eine düstere und angstvolle Zeit, in der ich persönlich nicht leben will. Sie wird schnörkellos beschrieben und erweckt vermutlich deswegen diesen kalten Schauer auf meinem Rücken.

Was mir nicht gefallen hat, war der Umgang der Protagonistin mit ihrem Schicksal. Ihrer Erzählung nach muss die Übernahme der Welt, wie wir sie kennen, durch den totalitären Staat sehr schnell gekommen sein. Sie selbst hat noch in „unserer“ Welt studiert, gearbeitet, einen Mann geheiratet und ein Kind bekommen. Dann kam der Umbruch. Der Zeitabschnitt dazwischen ist nicht lange her, dennoch nimmt Sie ihre neue Welt völlig selbstverständlich hin. Sie wundert sich zum Beispiel nur sehr leicht über die Exekutierten, die an einer Mauer hängen, weil sie ein vermeintliches Verbrechen begangen haben. Sie nimmt alles sehr klaglos hin, beschwert sich nur bei sich selbst, handelt aber nicht wie jemand, der Ungerechtigkeit empfindet und ihr zu entfliehen versucht.

Insgesamt macht sie auf mich den Eindruck einer willentlichen Mittäterin, weil sie sich für meinen Geschmack einfach zu passiv verhält. Das mag ihrer Entmündigung als Frau geschuldet sein, hinterlässt bei mir jedoch den faden Beigeschmack einer Frau, die sich zu sehr fügt und zu wenig aufbegehrt.

Foto: privat

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