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Tolle Haptik. Das war das erste, was mir auffiel, als ich “Vorzimmer zum Paradies” auspackte. Der Einband ist nicht glatt und aus Papier, sondern aus Gewebe. Fasst sich schon mal hochwertig an.

Die Story: Simon ist 50, verheiratet, und Vater eines pubertierenden Sohnes. Auf der Arbeit surft er gerne mal im Internet – auch auf Schmuddelseiten. Was man halt so auf der Arbeit macht. Als er während der Vorbereitung zu einem Interview ein paar unbedachte Sachen sagt, wird genau diese Sequenz online gestellt – und jeder denkt, Simon wäre ein Macho, wie er im Buche steht. Seine Umgebung schneidet ihn und macht ihm Vorwürfe… für ihn überhaupt nicht nachvollziehbar. Dann aber stirbt er versehentlich, als er von einer Leiter fällt. Allerdings erfährt er im himmlischen Wartesaal: Auch im Himmel gibt’s Internet – und die himmlischen Heerscharen wissen genau, was Simon online so alles getrieben hat…

“Vorzimmer zum Paradies” ist ein ironischer Roman, bei dem man sich regelmäßig dabei erwischt, sich zu fragen, was man eigentlich selbst so an peinlichen oder nicht für die Öffentlichkeit gedachten Mails geschrieben hat. Benoît Duteurtre hat ein schelmisches Stück abgeliefert, das Spaß macht. Er schreibt kurzweilig, und man schaut Simon gern dabei zu, wie er sich windet und hofft, dass seine kleinen Sünden nicht zu schwer wiegen. Dazu überrascht auch der Blick in den Wartesaal des Himmels… ich sag mal so: Wer denkt, dass er beim Beantragen eines neuen Persos Nerven lassen musste, der sollte lieber nicht im Himmel landen…

Foto: privat

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