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… Ich muss immer noch lachen, wenn ich an die Geschichte denke, die mir eine Freundin erzählt hat. Sie und ihr Mann waren zusammen im Auto unterwegs mit einem befreundeten Päarchen und deren kleiner Tochter. Man sprach über dies und das, und völlig unvermittelt sagt die Tochter: „Männer haben einen Penis, und Frauen haben eine Vagina.“

Stille. Betretenes Schweigen. Urplötzlich. 

Was soll man dazu auch sagen außer: „Ja, stimmt.“

Für viele ist aber der Bereich zwischen Bauchbabel und Kniekehle so tabuisiert, dass sie entweder nicht über ihn sprechen oder ihm Verniedlichungs-Formen geben. 

Das ist auch der Ansatz von Eve Ensler. 

Sie hat für ihre „Vagina-Monologe“ Frauen interviewt – aus verschiedenen sozialen Schichten, verschiedenen Kulturen, mit verschiedenen Hautfarben. Daraus entstand ein Off-Broadway-Stück, das am Ende auf internationale Tournee ging. 

In der gedruckten Fassung sind die verschiedenen Monologe nicht unbedingt echte Geschichten, sondern meist kurze Gedanken oder Erinnerungen. 

Sie alle haben eins gemeinsam: Sie sind ehrlich und gradlinig, und einige treiben einem einen Schauer über den Rücken (wenn z. B. ein bosnisches Vergewaltigungsopfer über seine Erlebnisse berichtet). Einige Geschichten haben ein „Happy End“, man erfährt also, was aus der Erzählerin geworden ist. 

Ansprechend fand ich, dass den meisten Geschichten eine kurze Erklärung vorangestellt wird, die den Monolog einordnet. 

Ich hab mir beim Kauf des Buches irgendwie was anderes vorgestellt, bin aber überrascht von und zufrieden mit ihm. Es läßt einen nahe genug ran, um es zu verstehen, stößt aber einen nicht so vor den Kopf wie „Feuchtgebiete“. Absolut lesenswert – wobei ich glaube, dass die „Vagina-Monologe“ auf der Bühe sogar noch eindringlicher sind (das war ein nicht-beabsichtigter Wortwitz). 

  
Foto: privat

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