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Asche über mein Haupt! Als ich die ersten Trailer zu „Club der roten Bänder“ gesehen hab, dachte ich zuerst: Och nöööö… ne Serie mit Krebskranken? Muss das sein? Und dann auch noch auf VOX, das sonst nur Bräute, Köche und Hotelliers gegeneinander antreten lässt und vermeintliche Promis bei der Auswanderung begleitet?… Och nöööhöööö…

Und dann… hab ich nur durch Zufall reingeschaltet und die letzte Viertelstunde mitbekommen.

Ich. konnte. nicht. wegschalten!

Also Tags drauf beide Folgen komplett in der Mediathek geguckt.

Was für ein Glücksgriff! Der „Club der roten Bänder“ ist so ungemein berührend, traurig und lustig zugleich. Ich habe mitgelitten, als einer der Jungs eine weitere deprimierende Diagnose bekommen hat, und ich hab laut gelacht, als es hieß: „Glatze, nur ein Bein – schlimmer kann’s nicht kommen.“

Endlich gibt es mal eine Krankenhaus-Serie, in der nicht alles heiti-teiti-Heile-Welt ist. Krankheiten sind nicht nach 45 Minuten besiegt, Krebs ist nicht hip, und Krankenhäuser sehen nicht einladend aus. Dass sich der im Koma liegende Junge telepathisch mit einem der anderen unterhält, nehme ich mal als Stilmittel einfach so hin, irgendwie muss ein Erzähler ja funktionieren (und die Erzählerin bei „Desperate Housewives“ war immerhin tot, also nicht meckern!). Und ich finde es auch nicht tragisch, dass bei den Krankheiten mit Stereotypen gearbeitet wird (Krebs macht immer Glatze, nur Mädchen haben Essstörungen).

Der „Club der roten Bänder“ ist eindringlich, er trifft einen dort, wo man selbst verletzlich ist, nämlich bei der Frage: Wie würde ich mit so einer Situation umgehen. Die Tragik entsteht, weil die Kranken keine Erwachsenen sind, sondern Kinder, die vom Leben noch nicht allzuviel hatten. Man fiebert mit, man hofft, man weint – und man lacht… einfach, weil jede noch so ausweglose Situation mit etwas Humor immer etwas leichter zu ertragen ist.

VOX ist mit dieser Eigenproduktion einen sehr mutigen Weg gegangen. Keine Action-, Comedy- oder Liebes-Serie, sondern einfach etwas Unerwartetes, das da im Moment Montags Abends im Privatfernsehen wartet. Das hätte ich VOX so nicht zugetraut – schön, dass ich auch noch überrascht werden kann. Absoluter Guck-Befehl!


Foto: VOX

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